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Nicht alle Rektoren sind gegen uns

Studiengebühren

RektorInnen und PräsidentInnen verschiedener Hochschulen widersprechen HRK

Einige RektorInnen und PräsidentInnenhaben sich auf Anregung des fzs und des Aktionsbündnisses gegenStudiengebühren (ABS) in einer gemeisamen Erklärung gegen dieEinführung von Studiengebühren ausgesprochen.
Stellungnahme zur Einführung von Studiengebühren

In den vergangenen Wochen ist die Diskussion über die Einführung von allgemeinen Studiengebühren erneut entfacht worden. Wir, die Rektorinnen bzw. Rektoren und Präsidentinnen bzw. Präsidenten der Hochschulen

  • Fachhochschule Gießen-Friedberg
  • Fachhochschule Fulda
  • Universität Halle-Wittenberg
  • Technische Universität Kaiserslautern
  • Fachhochschule Darmstadt

nehmen dazu wie folgt Stellung:

Die Einführung von Studiengebühren wird keines der bestehenden Probleme der deutschen Hochschulen lösen, vermutlich werden sie gar in einigen Bereichen zu einer Verschärfung der Lage beitragen. Folgende Gründe sprechen aus unserer Sicht derzeit gegen eine Einführung von Studiengebühren:

Studiengebühren führen nicht zu einer besseren Ausstattung der Hochschulen

Der gestiegene Bedarf an finanziellen Mitteln ist unbestritten. Die Hochschulausgaben pro Studierendem sind jedoch in den letzten 20 Jahren real erheblich zurück gegangen. In vielen Bundesländern werden die Ausgaben derzeit weiter verringert. Die empirischen Erfahrungen, insbesondere auch aus Australien, zeigen eindeutig, dass die öffentliche Bildungsfinanzierung durch den Anstieg privater Mittel (z.B. Studiengebühren) zurückgefahren wird. Der Anteil von Studiengebühren stieg beispielsweise zwischen 1996 und 2001 von 19,6% auf 34,5% am Gesamtbudget der australischen Hochschulen. Parallel dazu sanken die staatlichen Zuschüsse im genannten Zeitraum um 1.200 AUD (722 Euro) pro Studentin oder Student.

In Anbetracht der Kürzungen in vielen anderen Bereichen der öffentlichen Haushalte scheinen uns Zusagen über künftige Zuweisungen kaum sichere Planungsgrundlagen zu sein. Ohnehin kann dem Haushaltsvorbehalt der Parlamente nicht vorgegriffen werden.

Die derzeitige Debatte macht deutlich, dass Studiengebühren mittelfristig dazu führen, dass sich der Staat weiter aus der Finanzierung zurückzieht. Dieser muss aber eine ausreichende Grundfinanzierung der Hochschulen gewährleisten.

Studiengebühren führen zu sozialer Selektivität

Die gerade erschienene 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hat wieder einmal bestätigt, dass Deutschland eins der selektivsten Bildungssysteme Europas hat: Der Zugang zu Hochschulbildung hängt maßgeblich von der sozialen Herkunft ab. Studiengebühren würden diesen Trend noch zusätzlich verstärken, da eine zusätzliche, finanzielle Hürde aufgebaut wird. Die Einführung eines Stipendiensystems, von vielen als Mittel gegen soziale Selektion angeführt, erscheint nicht realisierbar. Zum einen bleibt offen, wie die zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden können. Wir denken, dass die notwendigen Mittel für ein Stipendiensystem mittelfristig nicht bereitgestellt werden können. Zum anderen wird nie ausgeführt, nach welchen Kriterien eventuelle Stipendien vergeben werden sollen. Wir denken, dass es ein bildungspolitisches Ziel sein muss, durch ein gerechtes System der Studienfinanzierung allen studierwilligen und studierfähigen Menschen ein Studium zu ermöglichen. Denn es ist allgemein erklärtes Ziel, die Studierendenquote zu erhöhen.

Wir, die Rektorinnen bzw. Rektoren und Präsidentin- nen bzw. Präsidenten der Hochschulen FH Gießen-Friedberg, FH Fulda, Uni Halle-Wittenberg, TU Kaiserslautern und FH Darmstadt, fordern aus diesen Gründen alle beteiligten Akteure dazu auf, Abstand von Plänen zu Studiengebühren zu nehmen.

UnterzeichnerInnen

  • Prof. Dr. Manfred Börgens und Hajo Köppen, Vizepräsidenten FH Gießen-Friedberg
  • Prof. Dr. Roland Schopf, Präsident FH Fulda
  • Prof. Dr. Wilfried Grecksch, Rektor Uni Halle-Wittenberg
  • Prof. Dr. Helmut J. Schmidt, Präsident TU Kaiserslautern
  • Prof. Dr. Bernhard May, Vizepräsident FH Darmstadt


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