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Geist gegen Geld - Über Sinn und Unsinn von Studiengebühren

Studiengebühren

Befürworter der Studiengebühren argumentieren folgendermaßen:

  1. Die Hochschulen benötigen dringend Geld, und da die öffentlichen Kassen leer sind, gibt es nur die Möglichkeit, dass die Studierenden für das Studium einen finanziellen Beitrag leisten, der den Hochschulen zugute kommt.
  2. Wenn die Studenten für ihr Studium zahlen, gelten sie zugleich als Kunden. Als Kunden haben sie einen größeren Einfluss als bisher auf die Qualität dessen, was ihnen geboten wird.
  3. Das vermutlich gewichtigste Argument lautet: Es ist sozial gerecht, wenn Studenten für ihr Studium bezahlen, weil sie von ihrer Hochschulausbildung später ja auch beruflich und vor allem finanziell profitieren.

Alle drei Argumente erweisen sich jedoch bei näherer Betrachtung als nicht haltbar. Die erste Behauptung, Hochschulen bekämen zusätzlich mehr Geld, trifft nicht zu, wie ein Blick auf Länder, in denen Studiengebühren schon eingeführt wurden, zeigt. Denn der Staat reagierte in der Folge immer mit der Reduzierung der öffentlichen Zuschüsse. Letztendlich bleibt für die Hochschulen also kein Gewinn. Zuletzt war das in Österreich der Fall, aber auch in Australien oder Großbritannien - überall ist dasselbe Phänomen zu beobachten. Der Staat nutzt indirekt die Studiengebühren dazu, um sein eigenes finanzielles Engagement zurückzufahren. In Deutschland müssen wir ohnehin vorsichtig sein, denn schon jetzt soll ja rund ein Drittel der eingenommenen Gebühren eben nicht den Hochschulen zur Verfügung gestellt werden: In den meisten Hochschulgesetzen, die im Moment verabschiedet wurden und werden, gilt die Regel, dass aus 25 Prozent der eingenommenen Gebühren Rücklagen gebildet werden sollen, um die Kreditrisiken abzusichern, weil man ja versprochen hat, die Gebühren sozial abzusichern durch relativ billige Studienkredite; dieses Risiko müssen nicht die Banken übernehmen, die Kredite zur Verfügung stellen, das müssen die Hochschulen tragen, indem sie einen extra Topf dafür bilden müssen; und 8 Prozent der Gelder sollen der Verwaltung zukommen. Wenn schon jetzt feststeht, dass ein Drittel der Studiengebühren den Universitäten nicht zur Verfügung steht, sollten wir nicht allzu hohe Erwartungen haben. Außerdem: Es ist nach den Erfahrungen in anderen Ländern damit zu rechnen, dass nach kurzer Anfangsphase von zwei bis drei Jahren, in denen die Hochschulen vielleicht wirklich mehr Geld zur Verfügung haben, der Staat dann so viele Zuschüsse streicht, dass von zusätzlichen finanziellen Ressourcen keine Rede mehr sein kann.



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