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Bafög oder Kreditsystem?

Euro Geldscheine

Als Angela Merkel (CDU) auf einem Wirtschaftskongress der Union nach ihrer Position zum BAföG gefragt wurde, hat sie in alter Honecker Manier verlauten lassen: „Niemand hat die Absicht das BAföG abzuschaffen!“ Eine Parallele zu Honeckers Aussage - „niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“ – ist schwer von der Hand zu weisen. Vor allem weil wir wissen, wohin diese Aussage geführt hat.

Auch die baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan, die als künftige Bildungsministerin gehandelt wird, hatte in der «Welt» erklärt, bei einem Wahlsieg der Union bleibe das BAföG nur noch so lange bestehen, bis es einen «attraktiven Markt der Bildungsfinanzierung gibt». Je nach Zinssatz und Ausfallrisiko könnten bei einem ausschließlich mit Volldarlehen finanzierten Studium Rückzahlsummen zwischen 60 000 und 90 000 Euro anfallen – in Extremfällen sogar über 120 000 Euro. Um die Rückzahllast zu senken, gibt es Überlegungen, mit dem Einsatz der bisherigen staatlichen BAföG-Mittel den Zinssatz für Studierende deutlich zu senken!

Die Förderbank Kfw (Kreditanstalt für Wiederaufbau) verschiebt ihr Angebot auf 2006, andere Anbieter hingegen wollen pünktlich an den Start gehen.

Die ursprüngliche Hauptaufgabe der Kreditanstalt bestand darin, mit Darlehen und Bürgschaften Vorhaben zu fördern und zu unterstützen, die dem Wiederaufbau der im 2. Weltkrieg zerstörten deutschen Wirtschaft dienten. Sie gehört sie zu 80 Prozent dem Bund und zu 20 Prozent den Ländern.

Die Kfw begründet ihren Rückzieher mit dem Bundestagswahlkampf: Man wolle im politischen Gezerre um die Studiengebühren nicht von allen Parteien unter Beschuss genommen werden. Das nun für 2006 geplante Angebot der Kfw sieht einen Zinssatz zwischen 5,0 und 5,5 Prozent sowie eine Darlehenslaufzeit von bis zu 25 Jahren vor; Studierende können demnach maximal zehn Semester lang bis zu 650 Euro monatlich erhalten. (5 Jahre = 60 Monate, 60*650€ = 39000€; 5,5% Zinsen = 2145€)

Neben der staatlichen Kfw wollen auch einige private Banken Studiendarlehen anbieten. Als erste reagierte die Deutsche Bank auf den Rückzieher der Konkurrenz. “Wir werden wie angekündigt zum Wintersemester mit unserem Studenten-Banking-Angebot beginnen”, sagte ein Sprecher der Bank in Frankfurt. Die Deutsche Bank bietet Studierenden maximal einen Betrag von 800 Euro monatlich zu einer Verzinsung von 5,9 bis 9,9 Prozent an. (60*800€ = 48000€; 9,9% = 4750€). Dieser Zinssatz verwundert nicht, ist doch die Deutsche Bank als „der Ausbeuter“ schlechthin bekannt. Im Jahr 2004 hat diese Bank ihren Gewinn um 81% auf 2,4 Mrd. Euro gesteigert und entlässt gleichzeitig 6400 ArbeitnehmerInnen. Nun will die Deutsche Bank Studierenden bei ihren alltäglichen finanziellen Problemen helfen... Absurd….



Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben


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